Carola Landerer macht Kraftsport und bloggt darüber. Das Besondere dabei aber ist, dass die 24-Jährige an der Erbkrankheit Mukoviszidose leidet. Carola fällt daher Atmung und Bewegung schwerer als gesunden Menschen. Trotzdem stemmt sie mit Leidenschaft vier Mal die Woche Gewichte. Wie sie vom Sportmuffel zur Sport-Bloggerin wurde und inwiefern der Sport auch die Zeichen der Mukoviszidose lindert, hat sie für den PARI-Blog erzählt.
Carola Landerer: 2016 sagte mir mein behandelnder Kardiologe, mein Herz sei zu schwach und eine Behandlung mit noch mehr Medikamenten nicht sinnvoll. Er riet mir zu Cardio-Training. Bisher hatte ich mich vor Sport immer gedrückt. Aber nun bekam ich es mit der Angst zu tun. Ich erhielt ein Rezept und startet in einem Reha-Zentrum mit einer Kombination aus Ausdauer- und Muskelaufbau-Training. Da ich, wie viele untrainierte CF-ler (= Mukoviszidose-Patienten; Anmerkung der Redaktion), sehr wenig Muskulatur hatte, umfasste mein Trainingsplan nicht nur Cardio-, sondern auch Kraftsport-Einheiten. Der Kraftsport hat mir sehr viel Spaß gemacht und schnell Erfolgserlebnisse gebracht. Deswegen bin ich dabeigeblieben und trainiere seither regelmäßig im Fitness-Studio.
Carola Landerer: Ausdauertraining schaffe ich von meiner Lunge her nicht. Zum Beispiel brauche ich nach einer Minute joggen schon eine Pause. Das ist nicht gerade motivierend. Ein Spaziergang geht, mit dem E-Bike fahren auch, aber das sehe ich nicht als Sport an. Beim Kraftsport hingegen, halte ich das Training 60 – 90 Minuten gut durch. Mir geht es, seitdem ich Kraftsport mache, viel besser. Ich habe nicht mehr so oft Infekte und huste weniger. Abends nach der Arbeit fühle ich mich nicht mehr so platt, schlafe nachts richtig gut und komme ohne zwischendurch zu ermüden durch den Tag.
Carola Landerer: Hier muss ich kurz ausholen. Früher fand ich Sport generell viel zu anstrengend. Ich hasste Schulsport, weil ich beim Laufen immer die Letzte war und mit meinen gesunden Schulkameraden nicht mithalten konnte. Aus dem gleichen Grund drückte ich mich, wenn es ging, vor Wandertagen. Ich hatte immer Angst hinterher zu hängen und viel husten zu müssen. Diese Vermeidungsstrategie war aber falsch, wie ich jetzt weiß. Denn Sport ist Übungssache. So wie man ein Instrument nicht beherrscht, wenn man es zum ersten Mal in die Hand nimmt, ist es auch beim Sport. Man muss üben, damit man besser wird und der Körper mitmacht. Eine Lungenerkrankung stellt beim Sport natürlich eine Hürde dar, aber mit dem Training steigert man seine Leistungsfähigkeit und die Erfolge kommen.
Carola Landerer: Neben Motivation gehört auch eine gehörige Portion Disziplin dazu, um das Training regelmäßig durchzuziehen – neben Atemtherapie für die Lunge, Arbeit und auch, wenn ich mich nicht 100 % topfit fühle. Die Disziplin kommt bei mir über die festen Trainingstermine, die meinen Wochen- und Tagesablauf mitbestimmen. Die Motivation kommt, weil es mir durch den Sport einfach besser geht und ich Erfolge habe. Ich stelle alle 6 bis 8 Wochen den Trainingsplan um, weil ich damit andere Muskelgruppen trainiere und mir neue Ziele setzen kann, die ich dann erreiche und das motiviert wieder. So ist der Mensch: Erfolge treiben ihn an. Weil ich durch den Kraftsport Erfolge habe, kann ich mich auch bei einem leichten Infekt zum Training motivieren. Dann gebe ich eben nicht 100 %, sondern nur 70 % und mache ein leichtes Training.
Carola Landerer: Die Atemtherapie bei Mukoviszidose dient dazu, die Lunge zu reinigen und zu befeuchten. Üblicherweise inhalieren CF-ler zwei Mal am Tag. Das kann ich nicht. Ich inhaliere nur morgens, da ich aufgrund einer starken Thrombose-Neigung Blutverdünner nehmen muss und zu viel Inhalation oder die Inhalation bestimmter Medikamente bei mir nachts Bluthusten auslösen. Um diesen negativen Effekt abzuschwächen bzw. ganz zu vermeiden, inhaliere ich meist nur Kochsalzlösung mit dem PARI BOY über die Maske und atme mit der Nase ein. Das Antibiotikum inhaliere ich über den eFlow®rapid einen Monat lang, dann pausiere ich einen Monat die Antibiotika-Inhalation.
Nur diese reduzierte Form der Inhalation hilft mir, meine Lunge sauber zu halten und gleichzeitig den Bluthusten zu umgehen. Abends nutze ich eines der PEP Systeme, wenn ich vor dem Fernseher sitze, um meine Lunge zu entblähen. Damit bekomme ich überschüssige Luft aus der Lunge, wodurch mir Atmung und natürlich auch das Training leichter fallen. Dabei muss ich sagen, dass der Kraftsport bei mir wie Atemtherapie wirkt. Durch die vertiefte Atmung beim Sport und die bewusste Ausatmung in der Anstrengung löst sich das Sekret in der Lunge. Beim Sport macht man Atemtherapie irgendwie ein bisschen mit. Deswegen ist Sport Teil meiner Therapie gegen die Mukoviszidose geworden.
Carola Landerer: Bei Mukoviszidose ist oft das Problem, dass die Schultern nach vorne ziehen und sich ein Rundrücken bildet. Da versuche ich gegen zu arbeiten, da eine aufrechte Haltung die Atmung generell und insbesondere eine tiefe Atmung erleichtert. Dazu kann ich sagen, dass sich eigentlich alle Kraftübungen eignen, um der Rundrückenproblematik entgegenzuwirken. Denn man soll bei jeder Übung eine aufrechte Haltung einnehmen und die Schultern hinten zusammenbringen, um der Verletzungsgefahr vorzubeugen. Besonders gerne rudere ich oder mache Übungen am Latzug, weil das den Rücken stärkt.
Carola Landerer: Andere zum Sport zu motivieren, ist immer schwer. Denn es muss bei jedem selber Klick machen. Dennoch möchte ich meine Geschichte erzählen. Ich war selbst ein totaler Sport-Muffel und hätte nie gedacht, dass mich Sport einmal so begeistern und so guttun würde. Diese Erfahrung möchte ich an andere CF-ler und Lungenkranke weitergeben. Die Erfolge kommen so schnell, man fühlt sich so schnell besser und dadurch kommt auch der Spaß. Um das zu vermitteln und andere zu motivieren, habe ich meinen Blog GYMuko gegründet. Meine Erlebnisse und Trainingsinfos teile ich auch über YouTube und Instagram.
Hinweis: Bei den im Interview getroffenen Aussagen handelt es sich um die individuelle Sichtweise der Interviewten. Diese spiegeln nicht zwangsläufig die PARI Sichtweise oder den allgemeinen Stand der Wissenschaft wider.
Ein Beitrag der PARI-BLOG Redaktion.
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